Der dreidimensionale Blick. Agrigento und Porto Empedocle
In einer Nacht fiel ich wie ein Gluehwuermchen unter eine einsame Pinie inmitten des sarazenischen Olivenhains am Rande der blauen Klippen ueber dem afrikanischen Meer
^ das sind zwei Orte, die in den Raum gebaut wurden. Sie demonstrieren den Uebergang vom flachen Meer zur Steilstufe des Gebirgssockels. Die Hafenstadt am Meer, Agrigento an der Huegelkante. Dabei handelt es sich nicht um allerneueste Architekturtheorie, sondern bereits die griechischen Tempel vom 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert, erbaut von Kolonisten, beweisen den Sinn der Erbauer fuer die Raumtiefe vom Meer her. Agricento (das antike Akragas) schiebt sich auf Terrassen an den Felsen heran. Immer wieder oeffnet sich der Blick zwischen den Haeusern ueber die Ebene zur Kueste hin - die Bergseite wird von der jeweils naechsten Gelaendestufe dargestellt. Dieses Konzept wird von den zahlreichen italienischen Balkoenchen wiederholt, es zeigt sich aber auch in der Kommunikation zwischen den einzelnen Gebaeuden, sowie selbst im Baumaterial, das vom Fels gewonnen ist und diesen im Wohnraum weiterfuehrt.
Die Parks, Alleen und weiteren Zwischenraeume haben mich am meisten fasziniert. Denn die dreidimensionalen Licht- und Sichtachsen kalkulieren auch die sengende Sommerhitze ein. Waehrend der gluehend heisse Bahnhofsvorplatz - ein Erzeugnis der architektonischen Machbarkeitsphilosophie der letzten zehn Jahre - von Passanten bloss umschritten oder durcheilt wird, bieten die schattigen Plaetzchen des Parks kleinraeumig gegliederte Verweil- und Kommunikationsmoeglichkeiten, die stets genuetzt und genossen werden. Erhellend zu bemerken, von wem.
Porto Empedocle offnet jede Quergasse vom Hauptplatz zum Hafen hin, sodass Wasser und Schiffe auch in der Stadtmitte praesent sind. Zum Land hin heben sich puebloartig geschachtelte Haeuserfronten und bilden die Gelaendestufe ab.
Das mag den groessten Sohn dieser Stadt und ganz Siziliens, den Dichter und Nobelpreistraeger Luigi Pirandello, zu seiner dreidimensionalen Metapher ueber seine Geburt gebracht haben. Sein Geburtshaus befindt sich uebrigens in Caos, gerade zwischen diesen beiden 3D-Staedten.
Aber Porte Empedocle - und seine Bewohner - demonstrieren zugleich auch ganz deutlich, wem welche Dimension eroeffnet bzw. vorbehalten wird. Denn meine Befragungen von Beamten (Rathaus) und Akademikern (Apotheke) ergaben, dass kaum Bewusstsein und Anteilnahme vorhanden ist, wer in dieser Stadt noch untergebracht ist, und wo genau die aus Lampedusa deportierten Boat-People sind. Und nur die beiden jungen Maenner bei der Finanzpolizei am Hafen verstanden und respektierten, dass hundert oder mehr Afrikaner in der ehemaligen Lagerhalle untergebracht sind. In der Flaeche, ohne Sichtachsen.









^ das sind zwei Orte, die in den Raum gebaut wurden. Sie demonstrieren den Uebergang vom flachen Meer zur Steilstufe des Gebirgssockels. Die Hafenstadt am Meer, Agrigento an der Huegelkante. Dabei handelt es sich nicht um allerneueste Architekturtheorie, sondern bereits die griechischen Tempel vom 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert, erbaut von Kolonisten, beweisen den Sinn der Erbauer fuer die Raumtiefe vom Meer her. Agricento (das antike Akragas) schiebt sich auf Terrassen an den Felsen heran. Immer wieder oeffnet sich der Blick zwischen den Haeusern ueber die Ebene zur Kueste hin - die Bergseite wird von der jeweils naechsten Gelaendestufe dargestellt. Dieses Konzept wird von den zahlreichen italienischen Balkoenchen wiederholt, es zeigt sich aber auch in der Kommunikation zwischen den einzelnen Gebaeuden, sowie selbst im Baumaterial, das vom Fels gewonnen ist und diesen im Wohnraum weiterfuehrt.
Die Parks, Alleen und weiteren Zwischenraeume haben mich am meisten fasziniert. Denn die dreidimensionalen Licht- und Sichtachsen kalkulieren auch die sengende Sommerhitze ein. Waehrend der gluehend heisse Bahnhofsvorplatz - ein Erzeugnis der architektonischen Machbarkeitsphilosophie der letzten zehn Jahre - von Passanten bloss umschritten oder durcheilt wird, bieten die schattigen Plaetzchen des Parks kleinraeumig gegliederte Verweil- und Kommunikationsmoeglichkeiten, die stets genuetzt und genossen werden. Erhellend zu bemerken, von wem.
Porto Empedocle offnet jede Quergasse vom Hauptplatz zum Hafen hin, sodass Wasser und Schiffe auch in der Stadtmitte praesent sind. Zum Land hin heben sich puebloartig geschachtelte Haeuserfronten und bilden die Gelaendestufe ab.
Das mag den groessten Sohn dieser Stadt und ganz Siziliens, den Dichter und Nobelpreistraeger Luigi Pirandello, zu seiner dreidimensionalen Metapher ueber seine Geburt gebracht haben. Sein Geburtshaus befindt sich uebrigens in Caos, gerade zwischen diesen beiden 3D-Staedten.
Aber Porte Empedocle - und seine Bewohner - demonstrieren zugleich auch ganz deutlich, wem welche Dimension eroeffnet bzw. vorbehalten wird. Denn meine Befragungen von Beamten (Rathaus) und Akademikern (Apotheke) ergaben, dass kaum Bewusstsein und Anteilnahme vorhanden ist, wer in dieser Stadt noch untergebracht ist, und wo genau die aus Lampedusa deportierten Boat-People sind. Und nur die beiden jungen Maenner bei der Finanzpolizei am Hafen verstanden und respektierten, dass hundert oder mehr Afrikaner in der ehemaligen Lagerhalle untergebracht sind. In der Flaeche, ohne Sichtachsen.









grenzwärtig - 11. Aug, 11:00














