Ueber die Dauer einer Stunde
Der Camping-Manager hat mir in klapprigem Englisch erklaert, wie man von dem netten Vorort, wohin mich der Reisefuehrer gelockt hatte, wieder nach Palermo kommt. Zuerst Bus 616 bis zum Stadion Communale, dann Nummer 101 quer durch die Altstadt bis zum Hauptbahnhof. In der Annahme, dass fuer den Rueckweg dasselbe gelten muesse, kuerzte ich meine abendliche Suche nach einem Internet-Cafe ab und verliess die zuvor stundenlang durchstreifte Altstadt. Aus Sicherheitsgruenden, wie es gar nicht meine Art ist, traf ich schon vor 21 Uhr beim grossen Kreisverkehr vor dem Stadion ein und ging auf die mir angewiesene Haltestelle zu. Drei grosse Tafeln standen dort auf Stangen, doch den Bus 616 fand ich erst auf der der Wiese zugewandten Seite. Um sicher zu gehen, fragte ich auch noch Passanten, die mir die Richtigkeit der gewuenschten Einstiegsstelle bestaetigten. Nach etwa einer halben Stunde, als bereits unzaehlige 258er, 110er sowie einige 638er gehalten hatten, traf eine Pfadfindergruppe an der Haltestelle ein. Das beruhigte mich, denn ich nahm an, dass die Jugendlichen zu der Diskothek unterwegs waren, die direkt neben meinem Campingplatz einige Stunden um Mitternacht das offene Meer und den nebenan liegenden Platz beschallte.
Weiters erinnere ich mich an die wohlgebaute Latina, die das Wartehaeuschen mit mir teilte, an den skeptisch blickenden alten Mann, der in der Mitte der Bank sass, und an einige Teenager, die sich auf der Einfriedung der vertrockneten Blumenbeete niederliessen.
Als ein 615er hielt, sprang ich in den Bus hinein und hielt dem Fahrer den Zettel mit meinen Busnummern unter die Nase. Er dachte aber nicht daran, um meinetwillen etwas von seiner Route abzuweichen, was doch aufgrund der Naehe der Bezeichnungen nur ein geringfuegiger Umweg sein konnte. Auch bei anderen Bussen, die auf irgendeine Weise Aehnichkeit mit dem ersehnten 616er hatten, versuchte ich erfolglos mein Glueck. Ich hatte auf Italienerart tagsueber kaum gegessen und erwog jetzt, anstelle des sterilen Fischlokals in der Naehe des Campingplatzes bereits vorher im Dorf auszusteigen, wo ich beim Herfahren einige nette Strandlokale gesehen hatte.
Von meinemn Standplatz aus konnte ich bereits die Busse sehen, die an der gegenueberliegenden Abzweigung in den Kreisverkehr einbogen. Besonders die erste Ziffer der digitalen Anzeige war gleich zu erkennen und erweckte gleich meine Aufmerksamkeit, bei den anderen Ziffern wollte ich mich nicht gleich festlegen.
Erstaunlich viele Motorraeder und Roller zogen durch das Kreisrund, und bewundernd sah ich den leichtfuessigen Fahrzeugen nach, die fuer meine Stecke wohl kaum eine halbe Stunde gebraucht haetten. Da schlurfte ein riesiger Mann mit steifen Beinen spastisch auf die Station zu und fixierte die Wartenden mit starrem Blick, um sich dann dazuzustellen und dann und wann ein paar Schritte in verschiedene Richtungen zu machen. Spaeter sah ich ihn an der hellsterleuchteten Stelle am gegenueberliegenden Strassenrand xbeilig vor einem Gebuesch stehen und sich ueber das Eisengitterchen zu beugen. Immer wieder liefen einige der Pfadfinder in Zweier- oder Dreiergrueppchen ueber die Strasse, wohl um in einem fuer mich nicht sichtbaren Lokal etwas zum Trinken zu kaufen.
Zuweilen kreuzte einer dieser schnittigen Flughafenbusse die Fahrbahn, natuerlich ohne die stumpf Wartenden auch nur eines Blickes zu wuerdigen. Am naechsten Tag erfuhr ich dann, dass der Bus fuer die etwa 20km bis zum Flughafen auch eine Stunde braucht wie die Bahn, und dazu noch um einige Cents teurer ist. Waehrend meine Gedanken immer wieder zum erhofften Abendesen mit dem angenehmen kalten Weisswein abirrten und meine Blicke in Abstaenden auf die Latina trafen, hielt auf einmal ein 235er, und alle Pfadfinder sowie der Passant, der mir die Richtigkeit der Haltestelle versichert hatte, stiegen ein.
Der Mond, den ich hatte sumpfgruen hinter einem Hochhaus aufgehen sehen, ueberquerte mittlerweile die Siedlung und strahlte ein milchigfahles Licht aus. Jedes Mal, wenn ich mir nachdenklich ans Kinn fasste und Alternativen und Auswege erwog, waren die Bartstoppeln laenger geworden, und ich liess mich nun, ohne in meiner Zuversicht auch nur im Geringsten nachzulassen, auf die Bank nieder, die ich nur mehr mit einem alten Mann teilen musste. Ich bemerkte, dass die Fahrzeuge, die nun das Kreissegment durchqueerten, immer aelter und klappriger wurden. Eine Beiwagenmaschine ratterte wie ein Propellorflugzeug vorueber, spaeter sah ich einen alten Fiat ohne Fenster und ohne Licht. Auch die Wege, die sie beschrieben, schienen immer weniger zielgerichtet und stattdessen gelangweilt oder tollkuehn. Dass schliesslich tatsaechlich ein 616er gehalten und den alten Mann und mich, beide schweigend, in den abgelegenen Vorort am Strand befoerdert haette, kann ich mich kaum mehr erinnern. Meine letzten Tageseindruecke zeigen mehrere neonbeschienene Teller mit unzaehligen saugnapfbesetzten Krakenarmnen und von Spagettischlangen umwickelte Garnelenfuesschen.
Weiters erinnere ich mich an die wohlgebaute Latina, die das Wartehaeuschen mit mir teilte, an den skeptisch blickenden alten Mann, der in der Mitte der Bank sass, und an einige Teenager, die sich auf der Einfriedung der vertrockneten Blumenbeete niederliessen.
Als ein 615er hielt, sprang ich in den Bus hinein und hielt dem Fahrer den Zettel mit meinen Busnummern unter die Nase. Er dachte aber nicht daran, um meinetwillen etwas von seiner Route abzuweichen, was doch aufgrund der Naehe der Bezeichnungen nur ein geringfuegiger Umweg sein konnte. Auch bei anderen Bussen, die auf irgendeine Weise Aehnichkeit mit dem ersehnten 616er hatten, versuchte ich erfolglos mein Glueck. Ich hatte auf Italienerart tagsueber kaum gegessen und erwog jetzt, anstelle des sterilen Fischlokals in der Naehe des Campingplatzes bereits vorher im Dorf auszusteigen, wo ich beim Herfahren einige nette Strandlokale gesehen hatte.
Von meinemn Standplatz aus konnte ich bereits die Busse sehen, die an der gegenueberliegenden Abzweigung in den Kreisverkehr einbogen. Besonders die erste Ziffer der digitalen Anzeige war gleich zu erkennen und erweckte gleich meine Aufmerksamkeit, bei den anderen Ziffern wollte ich mich nicht gleich festlegen.
Erstaunlich viele Motorraeder und Roller zogen durch das Kreisrund, und bewundernd sah ich den leichtfuessigen Fahrzeugen nach, die fuer meine Stecke wohl kaum eine halbe Stunde gebraucht haetten. Da schlurfte ein riesiger Mann mit steifen Beinen spastisch auf die Station zu und fixierte die Wartenden mit starrem Blick, um sich dann dazuzustellen und dann und wann ein paar Schritte in verschiedene Richtungen zu machen. Spaeter sah ich ihn an der hellsterleuchteten Stelle am gegenueberliegenden Strassenrand xbeilig vor einem Gebuesch stehen und sich ueber das Eisengitterchen zu beugen. Immer wieder liefen einige der Pfadfinder in Zweier- oder Dreiergrueppchen ueber die Strasse, wohl um in einem fuer mich nicht sichtbaren Lokal etwas zum Trinken zu kaufen.
Zuweilen kreuzte einer dieser schnittigen Flughafenbusse die Fahrbahn, natuerlich ohne die stumpf Wartenden auch nur eines Blickes zu wuerdigen. Am naechsten Tag erfuhr ich dann, dass der Bus fuer die etwa 20km bis zum Flughafen auch eine Stunde braucht wie die Bahn, und dazu noch um einige Cents teurer ist. Waehrend meine Gedanken immer wieder zum erhofften Abendesen mit dem angenehmen kalten Weisswein abirrten und meine Blicke in Abstaenden auf die Latina trafen, hielt auf einmal ein 235er, und alle Pfadfinder sowie der Passant, der mir die Richtigkeit der Haltestelle versichert hatte, stiegen ein.
Der Mond, den ich hatte sumpfgruen hinter einem Hochhaus aufgehen sehen, ueberquerte mittlerweile die Siedlung und strahlte ein milchigfahles Licht aus. Jedes Mal, wenn ich mir nachdenklich ans Kinn fasste und Alternativen und Auswege erwog, waren die Bartstoppeln laenger geworden, und ich liess mich nun, ohne in meiner Zuversicht auch nur im Geringsten nachzulassen, auf die Bank nieder, die ich nur mehr mit einem alten Mann teilen musste. Ich bemerkte, dass die Fahrzeuge, die nun das Kreissegment durchqueerten, immer aelter und klappriger wurden. Eine Beiwagenmaschine ratterte wie ein Propellorflugzeug vorueber, spaeter sah ich einen alten Fiat ohne Fenster und ohne Licht. Auch die Wege, die sie beschrieben, schienen immer weniger zielgerichtet und stattdessen gelangweilt oder tollkuehn. Dass schliesslich tatsaechlich ein 616er gehalten und den alten Mann und mich, beide schweigend, in den abgelegenen Vorort am Strand befoerdert haette, kann ich mich kaum mehr erinnern. Meine letzten Tageseindruecke zeigen mehrere neonbeschienene Teller mit unzaehligen saugnapfbesetzten Krakenarmnen und von Spagettischlangen umwickelte Garnelenfuesschen.
grenzwärtig - 6. Aug, 16:09














